Nachdem ich eine negative Kritik über den Film Bob Marley: One Love gelesen hatte, wollte ich mir ein eigenes Bild machen, und ging heute am Spätnachmittag ins Kino. Denn schlechte Kritiken haben mich noch nie davon abgehalten, mir Filme anzuschauen. Und ich wurde nicht enttäuscht!
Der Film spielt von 1976-1978, eine kurze, aber entscheidende Phase im Leben von Bob Marley. Während dieser Zeit wurde ein Attentat auf ihn und seine Familie verübt, und 1978 spielte er mit dem One Love Peace Concert in Jamaica seinen wichtigsten Gig überhaupt. In Jamaica gab es zu dieser Zeit Unruhen verschiedener Gangs und verschiedener, politischer Strömungen. Die sich oft mit Waffengewalt bekämpften. Und mit dem One Love Concert schaffte es Bob Marley, die beiden politischen Kontrahenten zusammen auf der Bühne zu vereinen. Die Hände der beiden, und seine, streckte er dafür ein paar Sekunden in die Höhe.
Nach dem Attentat lebte Bob Marley eine Zeit lang in London. 1977 war auch das Jahr des Punks. Punker und Dreads verstanden sich prächtig. Im Film sieht man eine Punkband abrocken, als gebe es kein Morgen. Als Zuschauer dabei viele Dreads. Bob Marley schrieb wegen des Aufkommens des Punks im Jahr 1977 den Song Punky, Reggae, Party.
Auch seine Krebserkrankung war ein Thema. Als er die Diagnose bekam, lehnte er die Schulmedizin ab. Hautkrebs ist an einem großen Zeh ausgebrochen, nachdem er sich genau an dieser Stelle eine Verletzung durchs Fußball spielen zuzog - ein anderer Spieler trat ihm auf die Zehen. Mehr war nicht. Um die Ausbreitung der Erkrankung zu stoppen, wurde ihm empfohlen, seinen Zeh amputieren zu lassen, was er aber nicht tat. Wer weiß es schon. Vielleicht hätte Bob Marley ja noch länger gelebt, hätte er der Schulmedizin von Anfang an vertraut. Es ist müßig darüber zu spekulieren.
Den Schauspieler, der Bob Marley verkörperte, fand ich super. Die Rolle von Rita Marley, seiner Frau, war auch gut besetzt. Im Ganzen ist das gesamte Casting geglückt.
Der Film spielt auch mit vielen Rückblenden. Wer Bob Marleys Geschichte nicht kennt hat da enorme Nachteile. Ich wußte, dass sein Vater ein weißer Militärangehöriger aus UK war. Den Song Simmer Down kenne ich schon seit zig Jahrzehnten, und Sir Coxsone, den Producer kenne ich auch. Und dass Peter Tosh und Bunny Wailer bei Bob Marley ausstiegen, weil er ihnen zu kommerziell geworden war. Anders herum gesagt war das Ego von Tosh und Wailer einfach zu groß - sie wollten selber im Rampenlicht stehen! Oder die Rastafari Religion. Das muss man halt alles wissen, dann macht der Film, durch die ganzen AHA-Effekte, richtig Spaß. Z.B. huschte auf einer Party Miss World durchs Bild. Und natürlich wußte ich, das Bob Marley auch ein Kind von Ihr hat. Das mit seinen ganzen Kindern von verschiedenen Frauen wurde, bis auf die kurze Szene mit der Miss World, nicht thematisiert. Was ich in Ordnung finde, schließlich spielt der Film nur von 1976-1978. Wen es interessiert, muß bloß auf Wikipedia nachschauen....
Auch handelt der Film von der Entstehung des Albums Exodus, das 1977 erschien. Man sieht einige Musiksessions der Band, mit Bob Marley als Mittelpunkt. Manche sagen, Exodus sei das beste Album von Bob Marley & the Wailers. Der Meinung bin ich nicht, mir gefällt das Album Kaya besser. Aber das ist Geschmackssache, und über Geschmack läßt sich ja nicht streiten!
Etwas irritiert war ich von einer Prügelszene. Bob Marley schlägt dabei fast seinen Promoter tot. Das wäre auch passiert, wären die anderen nicht dazwischen gegangen. Für mich war Bob Marley immer ein friedliebender Prophet, da passt die Gewalt von ihm gar nicht ins Bild. Und das nur weil der Promoter Geld unterschlagen hatte. Und Geld ist = Babylon für die Rastas.
Auf die Rastafari Religion wurde häufig eingegangen. Ras Tafari = Haile Selassie, Kaiser von Äthiopien. King of Kings, Lord of Lords, Conquering Lion of the tribe of Judah... Marcus Garvey...Repatriation back to Africa...holy weed...Two Sevens Clash 1977...
Zu
guter letzt geht es jetzt ums weed of wisdom, kaya, ganja, gras. Dass
Rastas aus religiösen Gründen Marihuana rauchen ist wohl jedem klar. Doch im Film wurde hauptsächlich außerhalb religiöser Zeremonien konsumiert. Und das reichlich...
FAZIT:
Wenn jemand gerade eine Drogenentwöhnungstherapie macht, lohnt sich der Film nicht :-) Durch die ganzen AHA-Effekte macht der Film nur Leuten so richtig Spaß, die sich auskennen. Alle anderen würde ich den Film trotzdem empfehlen, denn wer Reggae mag ist in diesem Film goldrichtig. Wenigstens kann man sich dann immerhin noch an der Musik erfreuen!
Dienstag ist immer Kinotag in den Innenstadtkinos. Eintritt 6,50 Euro. Der Film war schlecht besucht. Und von den wenigen waren die meisten doch Ü60. Aber da komme ich ja auch in ein paar Jahren hin. Schade, jüngeres Publikum hätte der Film schon verdient, aber was will man machen, Marley starb 1981 mit 36 Jahren. Vor 43 Jahren!
Nachtrag 18.03.2024:
Ich wollte ursprünglich keine Links zum Thema platzieren, bin aber vor ein paar Tagen zufälliger Weise auf einen sehr lesenswerten Artikel in der Neuen Zürcher Zeitung gestoßen. Der Artikel erschien im Juli 2017 und beschreibt sehr gut, was es mit dem Two Sevens Clash 1977 - Apokalypse - und Marcus Garvey auf sich hat, bezug nehmend auf die Rastafari-Religion.
Wer sich für die ganze Biographie von Bob Marley interessiert, sollte sich die Dokumentation "Marley" von Kevin Macdonald anschauen. Der Film dauert 140 Minuten, und zeichnet das Leben von Marley bis ins letzte Detail grandios nach! Sozusagen ein MUß für Reggae Liebhaber aller Couleur...
Inhaltsangabe KI Generiert mit Gemini:
"Bob Marley: One Love" taucht ein in die unruhigen Zeiten und die Musik des Reggae-Stars Bob Marley.
Der Film startet 1976 in Jamaika, wo Gewalt und politische Spannungen herrschen. Bob Marley (gespielt von Kingsley Ben-Adir) plant ein kostenloses Konzert in Kingston, um für Frieden zu werben.
Nach einem versuchten Attentat auf ihn und seine Frau Rita (Lashana Lynch) wird die Lage zu gefährlich. Um die Sicherheit seiner Familie und Band zu gewährleisten, zieht Bob schweren Herzens nach London.
Im Exil nimmt er sein wegweisendes Album "Exodus" auf, das ihn zum weltweiten Superstar macht. Der Film zeigt die Entstehung des Albums und begleitet Bob auf seiner Europatournee.
Schließlich kehrt er 1978 nach Jamaika zurück, wo ihm die führenden Gangs Schutz garantieren. "Bob Marley: One Love" verwebt Marleys musikalische Reise mit den sozialen und politischen Kämpfen seiner Zeit.
TWO SEVENS CLASH auf dem Kassenbon - 777